Gipfelbesteigung

Wir lagen viel zu lange im Schlafsack, um noch die Tour zum Gipfel des Ätna pünktlich zu erreichen. Also planten wir einen gemütlichen Tag. Mit der Seilbahn sollte es zur oberen Bergstation gehen und dann weiter mit dem Geländebus zu einem der kleineren Gipfelkrater. Also frühstückten wir in Ruhe und machten uns auf den Weg.

Oben angekommen, erwartete uns klares, ruhiges Wetter mit viel Sonne. Kein Vergleich zu vorgestern, als uns der Wind fast vom Berg geblasen hatte. Die Gipfelkrater schienen nur eine Armlänge entfernt, was natürlich bei der klaren Sicht eine Täuschung war.


An den kleinen Kratern war es ja ganz nett, doch die großen Gipfel lockten schon gewaltig. Außerdem hatten wir alles dabei, was wir für einen Aufstieg gebraucht hätten. Nach einiger Zeit sahen wir, wie sich einzelne Wanderer aus der Gruppe lösten und Richtung Gipfel marschierten. Ein Weg war auch zu erkennen. Also beschlossen wir, den Aufstieg zu wagen. So richtig glaubten wir ja nicht daran, weil einiges an Höhenmetern zu überwinden war und die Wege erfahrungsgemäß wirklich schwierig sind. Also beschlossen wir loszulaufen und gegebenenfalls umzudrehen, wenn es zu schwierig wird.

Der Aufstieg war dann zwar schwierig, aber nicht ganz so hart wie vor zwei Tagen der Weg zur oberen Bergstation. Meter für Meter erklommen wir einen der vier Hauptkrater. Bald schon waren wir auf Wolkenhöhe.


Uns bot sich ein traumhafter Blick auf die Landschaft Siziliens.

Derweil wurde der Weg immer steiler und bald sahen wir die ersten Rauchfahnen aus dem Gestein wehen. Als uns dann noch eine italienische Flagge begrüßte, war klar, dass wir es auf 3175m Höhe geschafft hatten.


Wir waren überglücklich, dass wir doch noch einen Gipfel des Ätnas erreicht hatten, obwohl das für den Tag heute gar nicht mehr geplant war. Die Landschaft sah toll aus, aber noch nicht wirklich spektakülar. Also liefen wir noch etwas höher auf den Krater hinauf. Von einem Augenblick zum anderen wechselte das Bild der Landschaft von schwarz-braun zu weiß-gelb. Die gesamte Oberfläche des Kraterrandes war mit Schwefel überzogen. Auf den ersten Blick sah es wie Schnee aus.


Die Kraterwände leuchteten in allen Farben, je nachdem, welches Mineral sich dort abgelagert hatte. Dicke Schwefelwolken zogen über den Krater und machten das Atmen schwer. Mit feuchten Tüchern vor dem Mund wurde es einigermaßen erträglich. Jeden Moment änderte sich die Szenerie, je nachdem, wo die Schwefelwolken gerade den Blick freigaben.


Die Mühe des Aufstiegs hatte sich definitiv gelohnt. Wir waren sprachlos, im Angesicht der Schönheit und der unbändigen Macht dieser Natur, die wir in einem ganz stillen Moment erleben durften.

Im Nachhinein kann ich nicht sagen, ob der Ab- und Aufstieg im Grand Canyon oder der Ätna das für mich beeindruckendere Erlebnis war. Zweifellos werde ich noch lange von dem heute Gesehenen zehren.

Morgen geht es dann nach Milazzo. Dies wird nur eine Zwischenstation auf dem Weg nach Vulcano, welches wir am Donnerstag erreichen. Dann gibt es auch wieder einen Eintrag im Blog.

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